 |  | | Ball des Sports 2010 mit Olympischem Glanz |
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Anja Huber kam – aber sie kam spät/Umjubelter Soulsänger Oliver Roemer
„Wunderbar, wunderbar...“ – mit diesem Wiener Walzer eröffnete das Party-Symphonie Orchestra den 32. Ball des Sportes. Und diese ersten Worte zogen sich wie ein roter Faden durch diese traditionelle Veranstaltung des Bremer Sportes für die Bremer Sportler. Sie war in diesem Jahr wirklich „wunderbar“.
Das Organisationsteam um LSB-Geschäftsführer Klaus Peter und seine Mitarbeiterin Karoline Müller hatte ganze Arbeit geleistet, um den knapp 1000 Ballgästen einen schönen Abend zu gestalten. Selbst der radioerprobte Conferencier Dirk Böhling, der schwungvoll durch den Abend begleitete, gab spät in der Nacht unumwunden zu: „Die haben hier wirklich eine wunderbare Veranstaltung auf die Beine gestellt!“
Das wiederum lag vor allem am neuen Orchester. Gab es im Vorjahr noch leise (manchmal auch laute) Kritik am Ensemble auf der Bühne, blieben diesmal wohl keine Wünsche offen. Ein breit gefächertes Repertoire von Klassik bis Pop wurde geboten. Wem es da nicht in den Beinen zuckte, wird wohl ein unverbesserlicher Tanzmuffel gewesen sein.
Wie immer ist der Ball des Sports ja der Höhepunkt des vergangenen Sportjahres mit der Wahl der Besten oder Beliebtesten im Lande Bremen. Bestimmt werden die Sieger je zu gleichen Teilen durch die Stimmabgabe in den Tageszeitungen, durch das Internet und eine Jury. Den größten Ausschlag jedoch ergibt das Votum der Ballgäste. Eingeladen waren sie diesmal alle, die fünf zur Wahl stehenden Damen, die neun Herren und sechs Mannschaften. Und bis auf wenige begründete Ausnahmen waren auch alle gekommen. Das ist sehr positiv zu bewerten.
Wenngleich alle wissen, dass es nur eine Siegerin oder einen Sieger der Wahl geben kann, stellten sich alle tapfer dem 1000köpfigen Juroren-Team im Saal. Und, keine Frage, es gab auch in diesem Jahr haushohe Favoriten, die sich schließlich auch durchsetzten. Allen voran natürlich Carolin Nytra vom Leichtathletik-Team TuS Komet Arsten. Dabei waren ihre Konkurrentinnen – BMX-Fahrerin Kerstin Fritscher, Billard-Meisterin Birgit Reimann, Vereinskameradin Jonna Tilgner oder die Karateka Imke Turner – was Titel und Erfolge angeht, durchaus ebenbürtig. Die weitere Rangfolge nach der strahlenden Siegerin blieb geheim – und das ist auch gut so!
Knud Lange, Seriensieger vergangener Jahre, musste diesmal einem Europameister Platz machen. Kein Zweifel, von der sportlichen Leistung war Sebastian Bayer der Top-Favorit. Viele meinten, dass sein Weggang nach Hamburg Ende vergangenen Jahres eine Nominierung nicht gerechtfertig hätte. Doch als Europameister und Olympiateilnehmer im Weitsprung hat sie der Aachener als (Wahl-)-Bremer erbracht, also für den TuS Komet Arsten. Und so ging der Siegerpokal auch verdient an ihn. „Ich freue mich sehr, dass mein Wechsel keine Rolle bei der Wahl gespielt hat“, meinte Bayer später. Auf den Ehrentanz mit seiner Lebensgefährtin Carolin Nytra jedoch musste er verzichten. Eine Fußverletzung ließ das nicht zu. Aber Ersatz war schnell zur Stelle: Trainer Jens Ellrott übernahm Bayers Part.
Jetzt müssen sich Andreas Bachmann von der Karate-Schule Nippon, Schwimmer André Biere, Aido-Meister Michael Bürger von Bremen 1860, Werders Tischtennis-As Lars Hielscher, Ruderer Knud Lange, Radrennfahrer Olaf Schnaar vom RV Huchting sowie Werders Nachwuchsfußballer Lennart Thy und Florian Trinks auf das kommende Jahr vertrösten, wenn wieder der Sportler des Jahres gesucht wird. Der Titelverteidiger wird dann (als Neu-Hamburger) definitiv nicht mehr dabei sein.
Was die Mannschaft des Jahres betrifft, so ist der Grün-Gold-Club schon seit sieben Jahren das Maß aller Dinge. Für die keineswegs weniger erfolgreiche Gegnerschaft – das Team „Gymnastik und Tanz“ von Blumenthaler TV, die Karate-Schule Nippon Bremerhaven, der deutsche Korbball-Meister SG Findorff, Werders Tischtennis-Team und Turas Taekwon-Do-Synchronlauf-Meister – war das wohl von vornherein ein aussichtsloses Unterfangen. Das fast alle dennoch beim Ball erschienen waren, spricht für ihre sportliche Fairness. Und so gab es auch von den zahlreichen Ehrengästen, an der Spitze Bürgerschaftspräsident Christian Weber, Sportsenator Ulrich Mäurer, Bundestagsabgeordneter Carsten Sieling und Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter am VIP-Tisch spontanen Beifall.
Eigentlich hätte der Olympia-dekorierte Ehrengast aus Bayern, Skeleton-Bronzemedaillen-Gewinnerin Anja Huber die Siegerehrung vornehmen sollen. Aber das klappte nicht. Denn der Flug aus München hatte sich auf Grund der Wetterbedingungen verzögert, sodass sie erst weit nach 22 Uhr im CCB eintraf. Lange war sogar nicht sicher: kommt sie nun, oder kommt sie nicht. Auch Karoline Müller wusste es nicht genau. Selbst LSB-Präsident Peter Zenner und DOG-Vorsitzender Oliver Rau als gemeinschaftliche Veranstalter mussten bangen. Dass Anja Huber – immerhin ist sie Olympia-Botschafterin für die Bewerbung von München im Jahr 2018 - schließlich doch kam, locker meinte „und jetzt wird einfach mal gefeiert“ und dem Ball ein wenig Olympischen Glanz verlieh, ließ alle Verantwortlichen aufatmen.
Wer sehen wollte, wie halsbrecherisch sie sich wenige Tage zuvor in Vancouver kopfüber in den Eiskanal stürzte, konnte das auf der riesigen Großleinwand mitverfolgen.
Überhaupt war die visuelle Übertragung, vom Bremer Sport-TV um das Team von Ralph Haberland betreut, erneut eine wahre Augenweide. Denn sie übertrug bis in die letzte Ecke des Saales alles, was ansonsten den Gästen – wie in vielen Jahren zuvor - in den ersten Sitzreihen vorbehalten geblieben wäre. Das gilt nicht nur für die beifallumrauschte Vorführung der Gymnastinnen von Bremen 1860 oder die kurzweiligen Böhling-Interviews mit den Sportlern und Sportlerinnen des Jahres sowie mit Anja Huber. Auch das spätabendliche musikalische Highlight flimmerte messerscharf über den Schirm: Oliver Roemer, die Soulstimme Bremens.
Seine Geschichte erinnert ein wenig an die von Paul Potts, der aus dem Nichts heraus plötzlich die Opernbühnen der Welt eroberte. Zuerst fragten sich viele (vielleicht sogar die meisten), was denn nun der etwas füllige Mann mit dem schütteren Haar auf der Bühne will. Doch als er dann loslegte, blieb vielen – sagen wir es einmal salopp – die Spucke weg. Was da an Bühnenshow im Zusammenspiel mit dem Party-Symphonie Orchestra geboten wurde, war Extraklasse und hielt dem Vergleich anderer Ballvergnügen durchaus stand. Und alles endete schließlich in einem riesigen Tanzvergnügen.
Da fiel es kaum auf, dass in diesem Jahr die sonst traditionelle Tombola fehlte. Es gab zwar drei Hauptpreise, doch die wurden unter all denen verlost, die im Saal ihren Stimmzettel für die Sportlerwahl ausgefüllt hatten. „Das war eigentlich eine verpasste Gelegenheit, eine Zusatzeinnahme zu erzielen“, meinten einige. „Eine Tombola, die der LSB-Aktion „Kids in die Clubs“ zu Gute gekommen wäre, hätte doch ganz gut getan“. Aber offenbar ist es nicht so einfach, Sponsoren für die vielen Klein-Preise zu finden, sodass die Verantwortlichen gleich auf die Lose verzichteten. Und nur drei Hauptpreise für viele Lose – das sorgte im vergangenen Jahr für Verstimmung bei einigen Besuchern.
Den Jüngeren unter den Ballbesuchern – es waren in diesem Jahr deutlich mehr als zuvor – stand schließlich noch die eigens aufgebaute Disco im CCB zum „abzappeln“ zur Verfügung. Wer sich noch sportlicher betätigen wollte, konnte bei den Burger Schützen Biathlon-Schießübungen absolvieren (auch für Pazifisten geeignet!) oder sich an Mini-Tischtennis-Tischen betätigen. Für das leibliche Wohl war an zahlreichen Ständen ohnehin gesorgt.
Alles in Allem also eine runde Veranstaltung.
Und all denen, die in diesem Jahr auf einen Besuch verzichtet hatten – warum auch immer – sei gesagt: Wer nicht da war, hat etwas verpasst. Aber im kommenden Jahr ist ja wieder Gelegenheit, dabei zu sein. Also jetzt schon einmal fett im Kalender eintragen: Am ersten Sonnabend im März heißt es zum 33. Mal: Auf zum „Ball des Sports“.
Text: Klaus-Peter Berg |