 |  | | Das war der Ball des Sports 2009 |
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Hat sich die Zeit der Bälle überholt? Mögen Menschen nicht mehr chic ausgehen, einen netten Abend in angenehmer Atmosphäre verbringen, sich angeregt unterhalten, alte Bekanntschaften pflegen und neue machen, kräftig das Tanzbein schwingen? Fast scheint es so. Denn die Zahl der Tanzveranstaltungen in Bremen hat rapide abgenommen.
So gesehen ist der Ball des Sports, der in diesem Jahr seine 31. Auflage erlebte – dabei zum zehnten Mal in Folge im CCB stattfand – ein Relikt. Eines allerdings, das nach wie vor seine Anhänger hat. Denn die Besucherzahl ist seit Jahren nahezu konstant, mit nur leichten Schwankungen – diesmal leider etwas nach unten. „Wir möchten vor allem das Publikum verjüngen, aber das ist schwierig“, erklärt Klaus Peter, der Geschäftsführer des Landessportbundes, der gemeinsam mit seiner Ballverantwortlichen Karoline Müller das Ereignis vorbereitete. Vor allem die Zahl der sogenannten Wandelkarten, Tickets ohne Platzberechtigung im großen Saal, blieb hinter den Erwartungen zurück. Trotz kräftiger Preisnachlässe für jüngere Interessenten. Selbst Werbeaktionen im Rundfunk bei Radio Bremen 1 und 4 hatten nicht die erhoffte Resonanz. „Viele hatten sich für Freikarten beworben, die aber am Abend nicht abgeholt“, war Klaus Peter enttäuscht. Immerhin: Die Abendkasse gab noch Anlass zur Freude.
Wie lassen sich Ballgäste am besten unterhalten? Das ist immer die Gretchenfrage. Beim Ball des Sports steht natürlich die Wahl der Sportlerin/des Sportlers/der Mannschaft des Jahres im Mittelpunkt. Bei deren Präsentation wurden neue Wege beschritten. Gab es früher kleine Filmchen über die jeweiligen Kandidaten, wurden sie diesmal zunächst in (Stand-)-Bild und Ton auf einer großen Leinwand – sie lieferte endlich wirklich gute Bilder – präsentiert. Und danach, soweit anwesend, vom Bremer Sport-TV gefilmt und von Moderator Dirk Böhling locker-flockig live vorgestellt. Das war prima und kam an!
Gestrafft wurde auch das Showprogramm. Statt Tanz, Hip-Hop oder Gymnastik lokaler Gruppen wie in früheren Jahren beließen es die Organisatoren bei zwei Auftritten. Die hatten es aber in sich: Der vielfache Deutsche Meister im Rhönradfahren, Simon Knapp, begeisterte sein Publikum uneingeschränkt ebenso wie die RSG-Gruppe von 1860, in weiten Teilen identisch mit der deutschen Nationalmannschaft.
Sehr unterschiedlich waren jedoch die Meinungen über das erstmals verpflichtete Tanzorchester Christoph Sanft aus Berlin. „Das Repertoire und die Besetzung des Tanzorchesters ist speziell auf zeitlose Tanzveranstaltungen ausgerichtet und knüpft an die Tradition der großen Tanz- und Unterhaltungsorchester vergangener Jahrzehnte an“ hieß es wörtlich im Flyer zum Ball. Das stimmte auf den Punkt.
Keine Frage: Die Musik war exzellent von Hand gemacht. Aber sie entsprang leider fast ausschließlich dem Zeitgeschmack vergangener Jahrzehnte. „Ja bin ich denn hier im Ballhaus beim Tanz für Opas und Omas“, kritisierte ein Besucher, der nach dem siebten Walzer keine Lust mehr hatte. „Du brauchst mindestens vier Lektionen in einer Tanzschule, wenn Du hier mittanzen möchtest“, meinte ein anderer. Was für Tanz-Könner bei übersichtlich gefüllter Tanzfläche vielleicht sehr angenehm ist, muss nicht den Geschmack aller treffen. Festzustellen war: Sobald die Rhythmen etwas fetziger wurden, füllte sich die Tanzfläche augenblicklich. Offenbar wollten die meisten richtig „Abzappeln“ und nicht Walzer, Rumba oder Tangoschritte in Perfektion tanzen. Da muss Kritik an der Kapelle zugelassen sein: Sie hatte leider kein Gespür für den Geschmack des Publikums. Schade. Und wenn es ein Ziel ist, besonders junge Ballbesucher anzusprechen wirkte das eher Kontraproduktiv.
„Das ist Jahr für Jahr unser Problem“, bekannte Klaus Peter. „Beim letzenmal war unsere Band vielen zu fetzig. Da hätte man gleich in die Disco gehen können hatten etliche moniert. Da das Richtige herauszufinden ist eben sehr, sehr schwierig“.
Da kam die Disco bei vielen schon besser an. Und es wurden auch immer mehr ältere Semester gesichtet, denen die Ballhaus-Atmosphäre nicht so sehr gefiel.
Wie immer kamen das Laserschießen, präsentiert von den Burger Schützen, und das Golf-Putting von Sponsor Dodenhof gut an. Wer am Pokertisch der Bremer Spielbank zocken wollte, kam ebenfalls auf seine Kosten. Und auch die Tombola, deren Erlös der Förderung des Jugendsportes zugute kommt, sorgte für Spannung.
Und die Wahl der Sportler des Jahres? Nun ja, man fragt sich ernsthaft, ob Bremen keine Besseren als Knud Lange (zum dritten Mal gewählt) und die Tänzer vom Grün-Gold-Club (verteidigten den Titel) hat. „Bremer wählen konstant“ vermeldete der Weser-Kurier tags darauf. Und das, obwohl es in diesem Jahr gleich drei Schienen für die Wahl gab: Abstimmung in Zeitung und Internet, eine Expertenkommission und schließlich das Ballpublikum. „Wir hätten uns die beiden ersten Schritte auch sparen können“, gab Klaus Peter hinterher zu. „Die Ballbesucher waren schließlich zum gleichen Ergebnis gekommen wie zuvor die Experten.“
Wie aber lässt sich hier mehr Spannung erzeugen und andere mal zum Zuge kommen? Vielleicht, indem man eine Titelverteidigung einfach ausschließt. Oder wäre das eine Diskriminierung von konstanten Leistungen? Nun ja, zumindest für den nächsten Ball des Sportes gibt es ja schon jetzt bei den Männern einen kaum zu schlagenden Favoriten: Sebastian Bayer, der sich mit Sicherheit mit seinem Jahrhundert-Sprung von 8,71 Metern von Null nach ganz vorn katapultieren wird.
Klaus-Peter Berg
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